Volksschule Bad Vöslau

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Moodle erfolgreich in der VS einsetzen

moodleIm Newsletter des Monats Mai der e-LISA academy erschien ein Beitrag zur Arbeit mit der Lernplattform MOODLE in Volksschulen.

Link zum Originalbeitrag

 

Moodle erfolgreich in der Volksschule einsetzen!

Ein Interview mit VOL Robert Boczek

 

Am 8. Mai wurde auf der PH Niederösterreich in Baden der Projektverbund „Motivations-, Förder- und Individualisierungsmöglichkeiten durch den Einsatz des Computers im Unterricht der Grundschule“ vorgestellt (Gesamtleitung: Prof. Helga Urban-Glowatzky, PH NÖ).

Präsentiert wurden Einzelprojekte des Verbundprojektes durch SchülerInnen und LehrerInnen verschiedener Grundschulen. Unter anderem wurde das Projekt „Computerunterstützte Lernwege mit der Lernplattform Moodle“ von Robert Boczek vorgestellt. Wir haben ihn zu Moodle, seinem Unterricht und dem Projekt befragt.

 


e-LISA academy: Seit wann setzen Sie Moodle in Ihrem Unterricht ein?

Während der Sommerferien 2006/07 besuchte ich den  e-LISA Kurs „Moodlen lernen“, im Anschluss an diesen Grundkurs die Kurse „Moodletricks für Fortgeschrittene“ und „Moodle in der Volksschule“. Im darauf folgenden Schuljahr führte ich die Lernplattform in meiner damals dritten Klasse Volksschule ein. Heute, zwei Jahre später, nutzen sie die meisten Kinder mindestens einmal in der Woche während des Sachunterrichts und oft auch zu Hause, und gehen mit ihr bereits so selbstverständlich um wie mit Buch, Heft und Bleistift.

Wie oft und in welchen Settings setzten Sie Moodle ein?

Ich habe im Laufe der letzten beiden Jahre mindestens 13 Kurse für den Sachunterricht der 3. und 4. Klassen Volksschule erstellt. Dabei bezog ich mich anfänglich auf Themenbereiche, die sich über einen längeren Zeitraum erstreckten, wie z.B. „Menschen, Tiere und Pflanzen“. Es war eine Art „Materialsammlung“ in elektronischer Form, die ich bereits zuvor erstellt und auf einer Webseite den Kindern angeboten hatte. Die Lernplattform Moodle kam wie gewünscht: Mit ihrer Hilfe konnte ich nun auch interaktive Aufgaben und Aktivitäten anbieten und so das Angebot dynamisch und für die Kinder interessant und optisch ansprechend gestalten. Die Kurse wurden im Laufe meiner Entwicklung zum Kursersteller dann immer kompakter, prägnanter und übersichtlicher.

Ich verwende gerne Themen aus dem Jahreskreis, die sich jedes Jahr wiederholen, wie z.B. „Alle Menschen arbeiten“ rund um den „Tag der Arbeit“ am 1. Mai oder als Frühlingsthema den eben neu erstellten Kurs „Metamorphose“. Diese Kurse kann ich jedes Jahr, entsprechend verändert und der Schulstufe angepasst, wieder verwenden.

Bei Schulprojekten, die eine mehrwöchige Vorbereitungszeit benötigten, habe ich mit Moodle multimediale Inhalte und diverse Aktivitäten angeboten und das Thema erarbeitet, geübt und zusammengefasst. So nützte ich ein Wasserprojekt, das 2008 vom Österreichischen Roten Kreuz mit der Firma Vöslauer für Ost-Timor initiiert wurde, dazu, das Thema Wasser für die Kinder meiner Klasse als Moodle-Kurs aufzubereiten.

Der Kurs „Poldi liest“, der sich zuerst nur auf die Lesewoche im November 2008 bezog, entwickelte sich zu einer Anlaufstelle für das regelmäßige Eintragen der Aufsätze und Vorbereiten der Deutsch-Schularbeiten mit Hilfe von Wikis. Belohnungen mit Punktevergabe und
Cliparts gab es für gehaltene Referate und Leserallyes und motivierten viele Kinder zur Teilnahme und Abgabe der Aufgaben. Ein Schwerpunkt in meiner 4. Klasse 2008/09 war die Erarbeitung der Landeskunde Niederösterreichs. Mit dem Titel „Förderung individueller, computerunterstützter Lernwege im Sachunterricht durch den Einsatz der Lernplattform Moodle“ arbeitete ich daran im Rahmen des Projektes IMST. Ziel war es, E-Learning als festen Bestandteil im Unterrichtsgeschehen zu verankern, Online-Lernprozesse und Online-Aktivitäten zu initiieren und betreutes kollaboratives Lernen durchzuführen.

Der Kurs „Heimatkunde Bad Vöslau“ war ein – wie ich meine – gelungener Mix aus virtuell (Lernplattform) und real (zahlreiche Lehrausgänge) Erlebtem und deshalb besonders beliebt.

Zurzeit erstelle ich den Kurs „Rohstoffe: Kohle und Erdöl“, in demTexte, multimediale Inhalte wie Filme und Animationen, HotPot-Tests, ein Glossar und – ganz wichtig – eine abschließende Befragung enthalten ist.

Auf  ganz aktuelle Themen beziehen sich zwei weitere Kurse, die ich derzeit vorbereite. Der Kurs „Radfahrprüfung“ soll den Kindern Übungsmöglichkeiten zur bevorstehenden theoretischen Radfahrprüfung bieten. Der Kurs „Kindheit in Asien und Afrika“ bezieht sich auf eine Unterrichtseinheit mit meiner Frau Elizabeth (Philippinen) und mit Herrn El Habib Diarra, der seit kurzem als interkultureller Mitarbeiter in unserer Schule tätig ist und aus dem Senegal stammt. Beide werden in der Klasse von ihrer Kindheit, der Familie und dem Schulbesuch in ihren Herkunftsländern erzählen. Ich möchte diese Einheiten mit der Lernplattform Moodle multimedial unterstützen und auch Podcast-Episoden herstellen.

Im Großen und Ganzen nütze ich also verschiedene thematische Schwerpunkte im Unterricht, für die sich aus meiner Sicht mit Moodle ein Mehrwert erzielen lässt. Das kann sich auch auf Projekte beziehen, die von außen an die Schule herangetragen werden (etwa Aktivitäten der Stadtgemeinde), wenn sich ein Bezug zum Unterricht herstellen lässt. Sehr  wichtig sind dabei meines Erachtens einzelne Kursabschnitte, die von den Kindern selbst gewünscht werden. So wollten meine SchülerInnen im Kurs „Jahreszeiten“, in dem es Animationen zur Drehung der Erde und zur Entstehung der Jahreszeiten gibt, Informationen über die anderen Planeten des Sonnensystems, die sie dann ganz selbstständig in Referaten und bei der Gestaltung von Plakaten verwendeten.

Welche Auswirkungen sehen Sie durch den Einsatz von Moodle bzgl. des Lernverhaltens Ihrer SchülerInnen?


Moodle erlaubt es mir, flexibel auf die Neugierde der Kinder einzugehen und die einzelnen Aktivitäten und Aufgaben im Kurs entsprechend anzupassen und zu variieren. Es motiviert die Kinder ungemein, wenn sie sehen, dass ihre Wünsche berücksichtigt werden. Die multimediale Darstellung der Inhalte, Tests zur Selbst-Überprüfung (nicht Prüfung), das Betrachten der Bilder, das Sammeln selbst geschriebener Geschichten und andere Tätigkeiten auf der Lernplattform macht den Unterricht lebendiger und abwechslungsreicher und regt die Kinder zu einer aktiveren Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsstoff an. Sie freuen sich jedesmal auf den Besuch im Computerraum und etliche Kinder sind regelrecht traurig, wenn sie den gemeinsamen Chattermin daheim am Abend (meist montags), etwa zum Beantworten meiner Sachunterrichtsfragen, nicht einhalten können.


Die Kinder entwickelten im Laufe der Monate eine gewisse Sensibilität und Kritikfähigkeit gegenüber Onlineinhalten, weil auch die Gefahren, die im Internet lauern, zur Sprache kommen müssen. Das Erlernen der Zusammenarbeit, die gegenseitige Hilfestellung beim Lösen von Aufgaben, das Einhalten von Regeln und der höfliche Umgangston miteinander werden gefördert und haben positive Auswirkungen im Klassenzimmer. So zeigen Wiki, Glossar und erst recht der Chat jedem Kind, dass es online nie alleine ist und es sich jedes Wort und jeden Satz genau überlegen muss, weil jede Tätigkeit und jede Äußerung mitprotokolliert wird und von anderen gelesen werden kann. Beschimpfungen, Beleidigungen oder negative Äußerungen gegenüber den Kursteilnehmern und -teilnehmerinnen beim Chatten, beim Feedback oder Bewerten sind streng untersagt.

Ein weiterer positiver Effekt ist, dass die Kinder seit einigen Monaten Plakate für ihre Referate in einem optisch ansprechenden Layout mit Texten und vielen Bildern aus dem Internet entwerfen, die wir im gesamten Erdgeschoß unserer Schule an die Pinnwände geheftet haben. Die Kinder meiner vierten Klasse müssen im 2. Semester mindestens vier Referate halten, die sich meist auf Infos auf der Lernplattform beziehen, und dabei ein „Mitbringsel“ vorzeigen. Meist ist es eben ein großes, übersichtlich gestaltetes Plakat, aber auch Präsentationsfolien habe ich schon gesehen. Ganz neu sind einfache „Kochrezepte“ als Referat, einer praktischen Vorführung, einer Schritt-für-Schritt-Anleitung auf einem Plakat, einem Eintrag in das „Wiki für Kochrezepte“ und einer Podcast-Episode.

Die Kinder sind in den beiden Jahren seit Einführung der Lernplattform viel selbstständiger und selbsttätiger bei der Informationsbeschaffung geworden. Ich mache die Kinder aber immer wieder darauf aufmerksam, dass ein gutes Buch zur Vorbereitung auf ein Referat noch allemal besser ist als irgendeine x-beliebige Webseite, und dass die Informationsentnahme daraus mit Vorsicht zu genießen ist. Auch hier sehe ich einen großen Vorteil beim Einsatz der Lernplattform, weil von mir selbst ausgewählte,  didaktisch wertvolle Webseiten, Bilder, Videos usw. in die Kurse eingebunden werden, die Kinder sich eine langwierige Suche ersparen und nicht so leicht auf „Abwege“ geraten können.

Welche ersten Schritte würden Sie anderen Lehrkräften raten, die Moodle in Ihren Unterricht einbinden wollen, jedoch noch über wenig Erfahrung verfügen?

Ich werde wahrscheinlich im nächsten Schuljahr versuchen, einer interessierten Kollegin, die keinerlei Erfahrung mit Moodle hat, die Rolle der Lehrerin auf der Lernplattform zuzuteilen und einen von mir erprobten Kurs an ihre Wünsche anzupassen. Ich glaube, dass es dann mit ein wenig anfänglicher Hilfe meinerseits möglich sein wird, dass sie mit den Kindern die einzelnen Abschnitte durcharbeiten kann. Anzuraten ist aber auf jeden Fall der Besuch des e-LISA Onlinekurses „Moodlen lernen“, der auch mir die ersten Schritte im Umgang mit der Lernplattform ermöglichte. Wichtig ist  auch eine sofort daran anschließende praktische Erprobung mit Schulkindern, sozusagen ein „Sprung ins kalte Wasser“.

Warum könnten Sie sich keinen Unterricht mehr ohne Moodle vorstellen?

Der Computer ist schon seit vielen Jahren in den Unterricht meiner Klasse integriert. Aber erst mit Moodle ist es mir möglich, den Sachunterrichtsstoff eines Themas übersichtlich, in didaktisch sinnvollen Einheiten und optisch ansprechend zu präsentieren. Mir gefällt diese offene Form des Lernens sehr. Die Kinder erarbeiten zwar – vom Unterricht in der Klasse ausgehend – die Abschnitte mit meiner Hilfe, letztendlich bleibt es aber ihnen selbst überlassen, was sie wie oft genauer ansehen, anhören, schreiben oder üben wollen, ob ihnen die Moodle-Stunden in der Schule genügen oder ob sie auch noch von daheim auf die Lernplattform zugreifen wollen, ob sie die Deutschaufgabe lieber ins Wiki schreiben oder – aus welchen Gründen auch immer – lieber ins althergebrachte Heft.

Die meisten Eltern schätzen es sehr, dass ihre Kinder in der Schule mit der Lernplattform umgehen lernen und auch daheim ein Zugriff auf Unterrichtsmaterialien besteht, die von mir zur Verfügung gestellt werden. Ich erhalte durchwegs äußerst positive Rückmeldungen.

Zum Schluss noch Lob für und Dank an e-LISA: Die Weiterbildung mit Hilfe der e-LISA Online-Kurse machen mir nicht nur großen Spaß, sondern helfen mir auch dabei, mit den raschen Veränderungen auf dem Gebiet des E-Learnings Schritt zu halten. Die in den Kursen vermittelten didaktischen Erkenntnisse und Tipps und das zeit- und ortsunabhängige Lernen in der Gruppe gemeinsam mit Kollegen und Kolleginnen verschiedener Schultypen ist ein großartiges Erlebnis, das mir dazu verhilft, über den eigenen schulischen „Tellerrand“ der Volksschule hinauszusehen, und mir jedesmal zahllose Denkanstöße und neue Ideen gibt, die  mir beim Gestalten eigener Kurse helfen und den Kindern in meiner Klasse zugute kommen.

Links zu den Seiten von Robert Boczek:

Edumoodle: www3.edumoodle.at/vsbadvoeslau/
Schulwebsite: http://vsbadvoeslau.ac.at/
Fotopool: http://picasaweb.google.de/roberto.verzo
Podcasting: http://verzo.at/loud/
Video-Blog: http://verzo.at/vlog/
Weblog mit Infos für die Erziehungsberechtigten der Kinder meiner Klasse: http://vsbv.blogspot.com/

PPT-Präsentation von Robert Boczek:
Die Lernplattform Moodle in der VS

Das Interview führte Alfred Peherstorfer

 

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